Neuerungen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz u. Pflege-Bahr!

Gesundheitsreform, Bürgerversicherung, Kopfpauschale, usw.

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Marcus
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Neuerungen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz u. Pflege-Bahr!

Beitragvon Marcus » 10.01.2013, 09:24

Laut Geschäftsstatistik der sozialen und privaten Pflegepflichtversicherung waren zum Jahresende 2010 insgesamt 2,43 Mio. Personen pflegebedürftig. Hiervon wurden 1,68 Mio. Personen häuslich und 0,75 Mio. Personen stationär versorgt. 65% der Pflegebedürftigen sind Frauen. Anbei die wichtigsten Neuerungen:

Zum 01.01.2013 wurde der Beitrag zur Pflegepflichtversicherung von 1,95% auf 2,05% gesteigert. Das PNG bringt einige Neuerungen mit sich. Dabei geht es im Wesentlichen um: 1.) Höhere Leistungen in den Pflegestufen I und II. 2.) Die Entlastung von pflegenden Angehörigen. 3.) Mehr Wahlmöglichkeiten bei den Pflegeleistungen, sowie eine bessere medizinische Versorgung in den Pflegeheimen. 4.) Einen individuelleren Service für Pflegebedürftige, die einen Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit stellen. 5.) Bildung ambulanter Wohngruppen durch Pflegebedürftige. 6.) Wegfall von Eigenbeteiligungen für individuelle, das Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen und 7.) die Förderung privater Pflegezusatzversicherungen durch einen Staatszuschuss (Pflege-Bahr).

Fragestellung: Welche Vor-, und Nachteile bietet die staatlich geförderte Pflegeversicherung?

Beim „Pflege-Bahr“ wird eine Pflegetage-, Monatsgeldversicherung mit 5,- EUR pro Monat vom Staat bezuschusst. Der Mindestbeitrag beträgt 15,- EUR - für den Verbraucher somit 10,- EUR. Das Pflegegeld beträgt in Pflegestufe III mindestens 600,- EUR. Geleistet wird prozentual je nach Pflegestufe. In III zu 100%, in II zu 60%, in I zu 30% und in 0 zu 10%. Gesundheitsfragen werden nicht gestellt, sodass sich jeder der nicht schon pflegebedürftig oder schwerbehindert ist versichern kann. Die Wartezeiten betragen insgesamt 5 Jahre. Wer in diesem Zeitraum pflegebedürftig wird, erhält keine Leistung.

Fragestellung: In Pflegestufe II werden somit gerade einmal 360,- EUR an Pflegekosten monatlich rückgedeckt. Ein Heimplatz im Mehrbettzimmer kostet jedoch im Mittel 3.500 EUR, wovon gerade einmal 1.250,- EUR durch die Pflegepflichtversicherung gegenfinanziert sind.

Der „Pflege-Bahr“ bietet lediglich eine ergänzende Kostenrückdeckung, die maximal 30% des Versorgungsdeltas schließt. Bei vergleichbaren Leistungen ist die staatlich geförderte Pflege trotz Kostenzuschuss vom Staat tendenziell etwas teuer als eine private ungeförderte Pflegetagegeldversicherung. Der Mehrbeitrag des „Pflege-Bahr“ liegt in der Regel zwischen 5% und 13%. Interessant kann das Produkt für ältere und an sich nicht versicherbare Personen sein, die somit zumindest einen kleinen Teil Ihrer Versorgungslücke schließen. Wer älter als 70 Jahre ist, sollte aufgrund der langen Wartezeit von 5 Jahren eventuell von diesem Produkt Abstand nehmen. Die Wahrscheinlichkeit in diesem Zeitraum pflegebedürftig zu werden ist relativ hoch, zudem stehen Leistungen und Versicherungsbeitrag in keinen sozialverträglichen Verhältniss zueinander.

Pflege ist ein gesellschaftspolitisches Problem. Durch die immer älter werdende Gesellschaft nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich zu. Bei den 85- bis 90 Jährigen sind dies nahezu 40%. Betroffene Ehepaare zahlen immer das Doppelte. Die Heimunterbringung von Ehepaaren kommt immer häufiger vor. Wer seine Lebensleistung schützen und innerhalb der Familie weitergeben möchte, seine Unabhängigkeit wahren und eine menschenwürdige Versorgung absichern will, sorgt deshalb zeitnah mit einer privaten Pflegeergänzungsversicherung vor.

Mit besten Grüßen aus dem Rheinland

Marcus

GS
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Die schweigende Mehrheit ...

Beitragvon GS » 15.01.2013, 22:25

... der Mitleser hier im Forum scheint dir offenbar zuzustimmen.

Kostet hier aber auch nichts, diese Zustimmung.

Sobald es das nämlich tun soll, verkrümelt sich die Meute, rein statistisch geshen, bislang zu ca. 80%.

Warum nicht zu 98,1%? Ein Teil vom Rest hat wirklich kein Geld dafür übrig, der Rest vom Rest hat es wirklich nicht nötig.

Gruß von
Gerhard

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Pflege Bahr: Schuss nach hinten

Beitragvon sct » 23.01.2013, 11:03

Warum sollte ich den Pflege Bahr abschleissen? Angenommen ich muß ins Altersheim. Das kostet 3000€/Monat. Ich habe aber nur 1500€ zur Verfügung. Dann schiesst die Sozialversicherung den Rest zu, nämlich 1500€ solange bis ich mein Vermögen aufgebraucht habe. Habe ich nun den Pflege-Bahr abgeschlossen würde ich eventuell 500€ Zuschuss bekommen. Der Rest der vom Sozialamt zugeschossen werden muß verkürzt sich auf 1000€. Trotzdem muß ich erst mein Vermögen aufbrauchen und zahle obendrein als junger Mensch jeden Monat 15€. Ich habe also nichts gewonnen, im Gegenteil.
Das was ich brauche ist so etwas wie eine "Vermögensschutz-Versicherung" im Pflegefall. Also eine Versicherung die mich bzw. meine Kinder davor bewahrt Vermögen erst aufbrauchen zu müssen bevor es etwas vom Sozialamt gibt.

Cassiesmann
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Re: Pflege Bahr: Schuss nach hinten

Beitragvon Cassiesmann » 23.01.2013, 11:16

sct hat geschrieben:Das was ich brauche ist so etwas wie eine "Vermögensschutz-Versicherung" im Pflegefall. Also eine Versicherung die mich bzw. meine Kinder davor bewahrt Vermögen erst aufbrauchen zu müssen bevor es etwas vom Sozialamt gibt.


Dann schließen Sie doch einfach eine Pflegezusatzversicherung ab die bspw. 1.500€ monatlich leistet. Mit Pfleg-Bahr müssten Sie also noch 900€ zusätzlich absichern.

sct
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Re: Pflege Bahr: Schuss nach hinten

Beitragvon sct » 23.01.2013, 12:10

Cassiesmann hat geschrieben:Dann schließen Sie doch einfach eine Pflegezusatzversicherung ab die bspw. 1.500€ monatlich leistet. Mit Pfleg-Bahr müssten Sie also noch 900€ zusätzlich absichern.

--> Ich sehe Sie haben das Problem verstanden: Man kann eben nur eine Versicherung für eine feste Summe abschliessen. Was ist wenn das Altersheim seine Preise erhöht? Oder soll ich jetzt andersrum eine Versicherung für 10000€ abschliessen damit es nachher garantiert reicht?
Ich bleibe daher bei meiner Meinung: Da ist nicht wirklich das was der Verbraucher will.

Cassiesmann
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Re: Pflege Bahr: Schuss nach hinten

Beitragvon Cassiesmann » 23.01.2013, 12:35

sct hat geschrieben:
Cassiesmann hat geschrieben:Dann schließen Sie doch einfach eine Pflegezusatzversicherung ab die bspw. 1.500€ monatlich leistet. Mit Pfleg-Bahr müssten Sie also noch 900€ zusätzlich absichern.

--> Ich sehe Sie haben das Problem verstanden: Man kann eben nur eine Versicherung für eine feste Summe abschliessen. Was ist wenn das Altersheim seine Preise erhöht? Oder soll ich jetzt andersrum eine Versicherung für 10000€ abschliessen damit es nachher garantiert reicht?
Ich bleibe daher bei meiner Meinung: Da ist nicht wirklich das was der Verbraucher will.


So ist halt das Leben, es gibt immer Unsicherheiten die man vorher nicht einkalkulieren kann. Ich weiß nicht was ein Pflegeheim in 30 Jahren kostet, wie hoch die Steuern sind, ob die Linkspartei die Alleinherrschaft erringt und alles Vermögen (auch Ihr Vermögen) verstaatlich oder ob es überhaupt dann noch menschliches Leben auf der Erde gibt.

Ihre Pauschalaussage das "der Verbraucher" das so nicht will, sollten Sie aber eher auf sich selber reduzieren.

Fakt ist, ich persönlich brauche auch keinen Pflege-Bahr, weder für mich selber, noch für den Vertrieb.


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