Vorversicherungszeit

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sisqonrw
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Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 10.11.2017, 20:25

Hallo,

ich bin als selbständiger freiwillig versichert und am überlegen ob ich demnächst zur privaten Krankenversicherung wechseln soll, da die Beitrage von Jahr zu Jahr von Umsatzsteigerung zu Umsatzsteigerung immer höher werden.

475€ muss ich demnächst zahlen, wenn mein Steuerbescheid 2016 kommt. Aktuell zahlen ich ca. 360€. Für 475€ findet man locker eine gute private Krankenversicherung.

Mit hat aber die Mitarbeiterin von der freiwilligen Krankenversicherung von einer Vorversicherungszeit erzählt und wollte mir die PKW ausreden.

Was meint Sie damit? Kennt sich jemand damit gut aus?

Dipling
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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Dipling » 11.11.2017, 10:20

Wahrscheinlich meint die Mitarbeiterin die 9/10 Regelung für die in der Regel besonders günstige Pflichtversicherung der Rentner. Wenn in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens ein Wechsel in die PKV erfolgt, reichen die Vorversicherungszeiten in der GKV nicht aus, und es bliebe nur die freiwillige Versicherung, bei der grundsätzlich alle Einkünfte verbeitragt werden. Und um nach Wechsel in die PKV überhaupt in die GKV zurückzukommen, muss Versicherungspflicht oder eine Familienversicherung eintreten.

Die PKV wird bei Antragstellung nach der Vorversicherung fragen, denn eine lückenlose Vorversicherung ist ein Kriterium für die Aufnahme.

Okabe
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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Okabe » 11.11.2017, 11:16

Für 475€ gibt es gute Tarife für 25 jährige!

bist du älter, solltest du eher mit 600€ rechnen - oder du bekommst einen Tarif mit Leistungslücken oder höherem Selbstbehalt. Und das nur wenn du völlig gesund bist.

Bedenke, dass du etwa 25% des Beitrags selbst zurücklegen solltest, weil die pkv im Alter deutlich teurer wird und ist als die gkv. Und zurück kannst du nicht.

Also: um die 700€ solltest du bereit sein auszugeben für einen guten Versicherungsschutz. Aus finanziellen Gründen in die PKV zu gehen KANN sich lohnen, ist aber ein hohes Risiko. Gerade Leute die aus finanziellen Gründen wechseln, bekommen später die Probleme.

Ansonsten kannst du unter Berücksichtigung der Kündigungsfristen wechseln - da gibt es keine Probleme.

Czauderna
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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Czauderna » 11.11.2017, 14:04

Hallo,
dir sind aktuell 475,00 € in der GKV zuviel ? - du hast gelesen, was Okabe dir zur PKV geschrieben hat - das ist eben der gravierende Unterschied zwischen PKV und GKV - PKV - Prämie orientiert sich nicht am lfd. Einkommen - GKV - Beitrag bemisst sich nach dem lfd. Einkommen.
Wenn man sich das mal grob überlegt - derzeit in der GKV kostet es (incl. Pflegeversicherung) 475,00 € - entspricht in etwas 2600,00 € mtl. Einkommen,
in der PKV gibt es einen Tarif (ohne Selbstbehalt) von 475,00 € (incl. Pflegeversicherung), berechnet nach Eintrittsalter und Gesundheitszustand.
wenn das Einkommen bei der GKV-Versicherung sinkt und vielleicht als Rentner mal sogar stark sinkt, dann sinkt auch der Beitrag in der GKV, bei der PKV bleibt er aber gleich, auch wenn das Einkommen dann vielleicht nur 1500,00 € im Monat beträgt oder noch weniger.
Ist schon alles richtig was Okabe geschrieben hat.
Gruss
Czauderna

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 13.11.2017, 19:04

Ich weiß nicht was ich machen soll. Mein Gewinn laut BWA 2017 ist bei 80.000€. 2016 waren es 33.000€. Es wird immer mehr. Wenn ich dieses Jahr noch Ware einkaufe, könnte ich vielleicht auf ein Gewinn von 50.000€ ca. runter kommen. 2015 hatte ich einen Gewinn von 25.000€

Bei 80.000€ Gewinn im Jahr müsste ich laut dem Rechner von der TK

https://www.tk.de/tk/versicherung-und-b ... ige/208526

das hier alles zahlen. Also 789,53€ jeden Monat. Das ist heftig.

TK-Krankenversicherung 635,10 EUR (= 14,6 %)

TK-Zusatzbeitrag 43,50 EUR (= 1,0 %)

TK-Pflegeversicherung 110,93 EUR (= 2,55 %)

Meine Frau verdient ca. 2600€ im Monat netto.

Ich habe zwei Kleinkinder 2 und 3 Jahre.

Was würdet Ihr mir Empfehlen? Kinder und ich privat versichern? oder alle gesetzlich versichern?

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Czauderna » 13.11.2017, 19:57

Hallo,
wenn du über der Beitragsbemessungsgrenze liegst und in die PKV gehst, dann können deine beiden Kinder nicht mehr in die Familienversicherung (kostenlos) deiner Ehefrau, d.h. du müsstest die Kinder selbst versichern - in der GKV wären das ca. 180,00 € pro Kind und Monat - ich kann dir nur raten - bleibe in der GKV !! Und wenn auch der folgende Spruch reif fürs Phrasenschwein ist - wer viel Einkommen hat, der muss auch viel Beitrag zahlen (ich rede nicht von Steuern - grins).
Gruss
Czauderna

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 13.11.2017, 21:54

Wie kommen Sie auf die 180€? Muss ich das auch bezahlen, wenn ich in der freiwilligen bleibe?

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 13.11.2017, 22:12

Das mit der Vorversicherungszeit habe ich nicht genau verstanden. Kann jemand es für einen Idioten leicht erklären.
Kann ich später wieder in die GKV zurück aber muss dann hohe Beiträge zahlen als Rentner, anstatt niedrige?

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Czauderna » 13.11.2017, 23:19

Hallo,
Nein, wenn du in der GKV bleibst, dann kosten die Kinder nichts.
Vorversicherungszeit - wenn du überhaupt wieder in die GKV zurückkehren könntest und dann einen Rentenantrag stellen würdest, dann passiert folgendes.
Beispiel: Tag der Rentenantragstellung 01.11.2017. - erstmalige Aufnahme eine Taetigkeit am 01.08.1970.
Dieser Zeitraum wird in der Mitte durchgeschnitten. Jetzt muss in der letzten Haelfte dieses Zeitraums 9/10 Mitgliedschaft/Versicherung in einer GKV-Kasse nachgewiesen werden und wenn das der Fall ist, dann wird man als Rentner
Pflichtversichert. Nach heutigem Recht zahlt der Rentner wenn er pflichtversichert ist, nur fuer seine Rente und ggf. für Versorgungsbezuege und wenn er nebenher noch Selbstaendig ( nicht hauptberuflich) ist, auch dafür.
Wenn der Rentner freiwillig versichert ist, dann zahlt er auch noch fuer Einkuenfte aus Vermietung/Verpachtung und Kapitalertraege.
Gruß
Czauderna

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 14.11.2017, 21:59

du hast es ausführlich erklärt, aber sei mir nicht böse. Ich verstehe es immer noch nicht. Das will nicht in mein Kopf rein.

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Czauderna » 14.11.2017, 22:05

Hallo,
probieren wir es mal mit deinen Daten - dazu muss ich wissen
wann geboren
Ab wann zum ersten Mal beschaeftigt
von wann bis wann bei welcher Kasse (Name muss nicht sein - GKV genügt).
Gruss
Czauderna

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 15.11.2017, 10:26

Hallo bin am 01.06.1977 geboren.

Ausbildung 29.11.95
Angestellt 20.01.99

ich war immer gesetzlich versichert.

Seit 04.2010 selbständig und freiwillig versichert.

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Czauderna » 15.11.2017, 13:04

Hallo,
nach heutigem Recht sehe das in etwa so aus (etwas vereinfacht dargestellt, das es um das Grundsätzliche geht, nicht um Tag-genaue Errechnung)
1. ohne Wechsel in die PKV
Tag der Rentenantragstellung : 01.06.2042
Rahmenfrist (erstmalige Aufnahme einer Beschäftigung bis zum Tag der Rentenantragstellung): 29.11.1995 - 01.06.2042 = ca. 46 Jahre,6 Monate)
2. Hälfte der Rahmenfrist : ca 01.03.2019 - 01.06.2042 ( 23 Jahre, 3 Monate)
9/10 der zweiten Hälfte wären ca. 20 Jahre, 11 Monate
Du warst in diesen 9/10 immer GKV versichert, wärst demnach als Rentner pflichtversichert.
2. mit Wechsel in die PKV
Rechenweg ist der gleiche -
wenn wir nun annehmen, dass du z.B. ab 01.01.2018 in die PKV wechseln willst, dann wäre schon leicht zu erkennen, dass du in der 2. Hälfte der Rahmenfrist, welche erst am 01.03.2019 beginnen würde, unmöglich die Voraussetzungen für die Pflichtversicherung als Rentner erfüllen kannst, auch wenn dir pro Kind 3 Jahre angerechnet würden.
Noch einmal - ich habe die Zeiträume vereinfacht dargestellt - in Real ergeben sich etwas andere Zeiträume, aber um zu erläutern wie das errechnet wird, reicht es meiner Meinung nach aus.
Gruss
Czauderna

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon sisqonrw » 03.01.2018, 18:24

OK vielen Dank für die Antwort.

Habe eine Frage zu der 1. Version. Was meinst du mit pflichtversichert? Übernimmt das der Gesetzgeber oder die Rentenversicherung?

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Re: Vorversicherungszeit

Beitragvon Czauderna » 03.01.2018, 19:16

Hallo,
mit pflichtversichert meine ich, dass man als Rentner in einer GKV-Kasse pflichtversichert ist und aus diesem Grunde nur für seine Rente und ggf. für einen Versorgungsbezug (Betriebsrente) einen Beitrag entrichten muss. Hat man daneben sonstige Einkünfte, wie z.B. Mieterträge, dann bleiben die beitragsfrei. Freiwillig versichert als Rentner ist man, wenn man die Vorversicherungszeit nicht erfüllt hat - dann muss man sich nicht zwingend in einer GKV-Kasse versichern, sondern kann auch eine PKV-Kasse wählen. Versichert man sich in der GKV freiwillig, dann sind aber neben der Rente und ggf. dem Versorgungsbezug auch sonstige, lfd. Einkünfte, wie. z.B. Mieterträge beitragspflichtig.
Wenn ich also von pflichtversichert schreibe, dann ist damit die Art der Versicherung gemeint. In diesem Zusammenhang schreibt der Gesetzgeber das so vor und die Rentenversicherung behält im Falle der Pflichtversicherung den Beitragsanteil des Versicherten zur Krankenversicherung ein und führt ihn an die Krankenkasse ab, im Falle der freiwilligen Versicherung oder der einer PK-Versicherung kann der Rentenbezieher einen Beitragszuschuss bei der Rentenversicherung beantragen (ca. 7% von der Rente)
Gruss
Czauderna


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