Wechsel in die PKV mit 44

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andy01090
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Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon andy01090 » 26.03.2018, 11:06

Hallo zusammen,

ich überlege mit 44 noch in die PKV zu wechseln.

Kurz zu mir:
44 Jahre, keine Kinder. Gehalt knapp über PKV Grenze.
Lebe in einer festen Partnerschaft. Lebensgefährtin verdient mehr als ich. Wir sind finanziell gut aufgestellt und haben ordentliche Rücklagen.

Ich bin soweit gesund, lediglich an ein paar Zähnen wurden bereits was gemacht (2 Kronen, Brücke und ein Implantat).

Lohnt sich ein Wechsel mit 44 noch? Ich möchte nicht kurzfristig Geld sparen. Ich zahle gerne genauso viel wie bisher, möchte aber im Alter nicht von den Kosten erschlagen werden.

Peter Wolnitza
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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon Peter Wolnitza » 27.03.2018, 10:51

Hallo,

was verstehen Sie unter "lohnt es sich noch?" - welche Vorteile erhoffen Sie sich durch einen Wechsel in die PKV?

Diese Frage sollten Sie zunächst für sich selbst beantworten.
Eine nennenswerte Beitragsersparnis wird es aktuell bei Ihrem Eintrittsalter und einem vernünftigen Tarif definitiv nicht mehr geben.
Bleibt also der bessere Leistungsumfang. Den gibt es aber dauerhaft nicht für weniger Geld als bisher.
Insofern keine leichte Entscheidung. Hier hilft nur, sich über Vor- und Nachteile ausführlich informieren (lassen) - notfalls gegen
Honorar, um den Verkaufsdruck raus zu nehmen... um danach eine Entscheidung zu treffen.
(Unterschiede GKV/PKV, Beiträge im Alter, Notlagentarife etc..etc..)
Voreilige Bauch-Entscheidungen machen an der Stelle langfristig keinen Spaß.

andy01090
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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon andy01090 » 27.03.2018, 15:51

Es ist mir nicht ums sparen von Beiträgen, sondern um die besserere Versorgung.
Das einzige KO Kriterium sind wohl die Beiträge ab der Rente.

Peter Wolnitza
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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon Peter Wolnitza » 27.03.2018, 17:26

andy01090 hat geschrieben:Es ist mir nicht ums sparen von Beiträgen, sondern um die besserere Versorgung.

Hatte ich auch nicht so interpretiert :D - ist aus meiner Sicht das EINZIGE Argument, das wirkich zählt:
Dauerhafter Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung - eben auch für die Zukunft.

andy01090 hat geschrieben:Das einzige KO Kriterium sind wohl die Beiträge ab der Rente.

Stimmt, wenn man davon ausgeht, daß Sie bei einem Verbleib in der GKV als Rentner in die KVDR können, werden Sie in der PKV einen deutlich höheren Beitrag entrichten.
Wird man aber vermutlich nicht in einer Exceltabelle hochrechnen können - dazu sind zu viele variable Parameter im Spiel.
Mal ein konkreter Fall, aus meinem Bestand, der Ihren Angaben relativ nahe kommen dürfte:
Kunde, Mann
Baujahr 1941
PKV Eintritt 01.10.1988
aktueller Beitrag incl. Pflege: 685,34 € mtl, bei 750.- € Selbstbehalt im ambulanten Bereich.
Versicherer ist eine Gesellschaft, die nun nicht gerade als super-Beitragsstabil bekannt ist.
Kann man also sicher nicht 1:1 übertragen (neue Tarifgenerationen, Unisex etc.) trotzdem evtl. ein ganz guter Anhalt

Rossi
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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon Rossi » 28.03.2018, 07:56

Ich mache mal einfach ein Beispiel.

Im Rentenalter bekommt Andy von der Deutschen Rentenversicherung eine Rente von 1.800,00 € brutto.

Dann gucken wir uns mal die zu zahlenden Beiträge an.

1. GKV / KVdR-Voraussetzungen liegen vor:


1.800,00 € Rente
198,00 € Abzug für die KVdR (ca. 11 % nach dem heutigen Stand)
1.602,00 € Einkommen nach Abzug der Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung

2. PKV

1.800,00 € Rente
134,40 € zzgl. 7,3 % Beitragszuschuss für die PKV
1.934,40 € Renteneinkommen
700,00 € abzgl. Prämie für die PKV
1.234,40 € Einkommen nach Abzug der Prämie für die PKV

Das Zahlenspiel ist natürlich variabel.

Wenn die Voraussetzungen für die KVdR vorliegen, dann werden ca. 11 % von der Rente einbehalten. Liegen die Voraussetzungen nicht vor, erhält man einen Beitragszuschuss in Höhe von 7,3 % von der DRV.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich jenes nicht rechnet und auch nicht mit vermeintlich besseren Leistungen aufgefangen wird. Denn dort habe ich schon alles mögliche erlebt.

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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon Peter Wolnitza » 29.03.2018, 10:49

Moin @Rossi,

natürlich sind Deine Berechnungen (wie immer!) völlig richtig und korrekt.

Ein paar Dinge sollten man aber trotzdem noch beachten, da sie Deine Berechnung u.U. ganz anders aussehen lassen:
a - was kostet eine gute Krankenzusatzversicherung (Zähne? / Stationär?) um auf den Leistungslevel einer guten PKV zu kommen?
b - wird/sollte die Altersvorsorge von jemandem, der oberhalb der JAEG verdient, nicht nur aus den 1800.- € gesetzlicher Rente bestehen.
Hier wäre dann statusabhängig (KVDR ja /nein) zu prüfen, wie sonstige Einkünfte (VuV, Gewerbe etc.) bei der GKV mit Beitrag belegt werden.
c - ich habe noch ältere Bestandskunden, deren Beiträge deutlich unter 600.- € mtl. liegen (auch unter Berücksichtigung des Selbstbehaltes!) - schienen mir nur eben auf die konkrete Frage nicht so ganz zu passen.

Natürlich gibt es wie immer - neben der reinen Zahlenbetrachtung - etliche weitere Aspekte, die man bei dem Thema auf der Uhr haben sollte:
(Handling, Abrechnung, Bürokratischer Aufwand, Zeitfaktor während Arztbehandlung, Komfort etc..etc.. - alles schwer in Beitrag umzurechnen.)
Muss eben jeder seine Prioritäten setzen - das hatte ich auch versucht, dem TE aufzuzeigen.

Rossi
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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon Rossi » 29.03.2018, 11:36

Nun ja, welche zusätzliche Altersvorsorge ggf. noch hinzukommen wird, dürfte doch letztendlich egal sein. Je mehr Einkommen, destso besser natürlich.

Wenn es keine betriebliche zusätzliche Altersvorsorge ist, dann ist diese auch nicht in der GKV (bei KVdR) beitragspflichtig.

Es geht letztendlich darum, dass im Alter in der Regel das Einkommen weniger wird. Und genau in dieser Konstellation geht es um eine günstige Krankenversicherung. Dies ist und bleibt leider die GKV.

Wenn wir das Beispiel (siehe oben) nehmen, dann kostet die Krankenversicherung der Rentner 198,00 € monatlich.

Ist der Kunde in der PKV mit einer Prämie von 700,00 €, dann bekommt er natürlich einen Beitragszuschuss in Höhe von 134,40 €, ferner behält man die 198,00 € nicht ein. Letztendlich haben wir in der PKV eine Mehrbelastung von schlappen 367,00 €.

Mega Altersrückstellungen werden bei einem Eintrittsalter von 44 auch nicht mehr gebildet. Ferner wirken sich die Altersrückstellungen auch nicht megamäßig beim Eintritt ins Rentenalter aus. Zunächst werden nur Risikozuschläge abgefedert. Ab dem 80. Lebensjahr wirkt es dann ggf. erst richtig aus, sofern ich richtig informiert bin.

Es mag sein, dass Du Bestandskunden hast, mit einer Prämie von deutlich unter 600,00 €. Aber wie alt sind diese Kunden denn? Schon über 80? So alt muss man erst einmal werden.

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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon Peter Wolnitza » 29.03.2018, 13:47

Rossi hat geschrieben:Nun ja, welche zusätzliche Altersvorsorge ggf. noch hinzukommen wird, dürfte doch letztendlich egal sein. Je mehr Einkommen, destso besser natürlich.
Wenn es keine betriebliche zusätzliche Altersvorsorge ist, dann ist diese auch nicht in der GKV (bei KVdR) beitragspflichtig.

..und wenn doch? Nimm mal 300 € monatliche Betriebsrente obendrauf, mit 14 % Beitragspflicht in der GKV - ohne Beitrag in der PKV.
Und je mehr alternative Rentenformen hinzu kommen, desto teurer wird ggfls. die GKV, (je nach Status) während PKV unverändert bleibt.
Wir wissen es eben nicht, daher meine Aussage ganz oben: beraten lassen!

Das Thema Zusatz KV (stationär + Zahn?) für gleichen Leistungsumfang ist in dem Alter ebenfalls nicht mehr ganz preiswert..denke, ein Hunderter im Monat wäre realistisch.., der zu den GKV Kosten addiert werden müsste.

Rossi hat geschrieben:Es geht letztendlich darum, dass im Alter in der Regel das Einkommen weniger wird. Und genau in dieser Konstellation geht es um eine günstige Krankenversicherung. Dies ist und bleibt leider die GKV.


Geb ich Dir ja Recht - günstiger ist es (vermutlich) - nur was ist, wenn dem TE statt des möglichst niedrigen Beitrages einfach eine bestmögliche Behandlung im Alter wichtiger ist? Auch das wissen wir nicht...

Rossi hat geschrieben:Wenn wir das Beispiel (siehe oben) nehmen, dann kostet die Krankenversicherung der Rentner 198,00 € monatlich.
Ist der Kunde in der PKV mit einer Prämie von 700,00 €, dann bekommt er natürlich einen Beitragszuschuss in Höhe von 134,40 €, ferner behält man die 198,00 € nicht ein. Letztendlich haben wir in der PKV eine Mehrbelastung von schlappen 367,00 €.

Die sich ggfls. (siehe oben rasch reduzieren, je nach persönlichen Parametern) ein bisserl betriebliche Altersversorgung, eine kleine Solaranlage aufm Dach etc. etc.

Rossi hat geschrieben:Mega Altersrückstellungen werden bei einem Eintrittsalter von 44 auch nicht mehr gebildet. Ferner wirken sich die Altersrückstellungen auch nicht megamäßig beim Eintritt ins Rentenalter aus. Zunächst werden nur Risikozuschläge abgefedert.
Ab dem 80. Lebensjahr wirkt es dann ggf. erst richtig aus, sofern ich richtig informiert bin.

Denke, hier verquirlst Du ein bisserl was miteinander:
- der 44 Jährige, der in PKV eintritt hat mit 70 (Annahme) in etwa die gleiche Alterungsrückstellung in seinem Topf, wie derjenige, der schon mit 20 eingetreten ist,deswegen zahlt er ja ab Eintritt einen deutlich höheren Beitrag, auch in den Folgejahren, auch in der Rentephase
- das mit den 80 Jahren kommt aus einer anderen Ecke:
Ist der gesetzliche Zuschlag von 10% auf ambulante, stationäre und Zahntarife - wurde 2000 eingeführt im Rahmen des GKV Reformgesetzes.
Ist zahlbar bis Endalter 60, wird ab 65 zur Beitragsstabilisierung eingesetzt, wenn mit 80 noch was über ist, wirds zur Reduzierung des Beirages eingesetzt. Hat mit der "normalen" Alterungsrückstellung nichts zu tun.

Rossi hat geschrieben:Es mag sein, dass Du Bestandskunden hast, mit einer Prämie von deutlich unter 600,00 €. Aber wie alt sind diese Kunden denn? Schon über 80? So alt muss man erst einmal werden.

Die 80 spielen dabei keine Rolle - siehe oben - habe tatsächlich Kunden jenseits der 80, aber damals gab es aber diesen 10% Zuschlag noch nicht, daher ist das nicht relevant. Sind einfach vernünftig kalkulierte Tarife.
Klar sollte man sich über ein paar andere Dinge Gedanken machen - die evtl. dramatischer sein können als einige Euro mehr oder weniger:
(Handling, Bürokratie, Versorgungssituation, Anspruch an medizinische Versorgung etc.)

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Re: Wechsel in die PKV mit 44

Beitragvon PKV_Abwägender » 01.04.2018, 21:16

Guten Abend,

Rossi hat geschrieben:
Nun ja, welche zusätzliche Altersvorsorge ggf. noch hinzukommen wird, dürfte doch letztendlich egal sein. Je mehr Einkommen, destso besser natürlich

Nein, das ist natürlich nicht egal, jedenfalls, wenn es z. B. um eine Betriebsrente oder Mieteinnahme geht.
Für mich ist dieses Kriterium sogar äußerst wichtig.

Peter Wolnitza hatte es schon richtig beantwortet. Wenn eine Betriebsrente hinzukommt, dann werden hiervon die vollen 14 oder 15 % für die KV (ohne Pflegev.) im Fall der GKV abgezogen, bei der PKV wird nichts abgezogen.

Ich glaube, das wurde in der Antwort von Peter W. zu wenig hervorgehoben, bzw. dem Fragesteller zu wenig erklärt.
Rentner in der PKV sind aber häufig auch Betriebsrentenempfänger.

Eine äußerst wichtige Frage an den Fragesteller ist also erst einmal:
Wird Anspruch auf eine Betriebsrente bestehen ?

Grüße


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