Wieviel Leistung kann ich wirklich erwarten?

Leistungen, Kostenübernahme, Tarife, usw.

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norminator
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Wieviel Leistung kann ich wirklich erwarten?

Beitragvon norminator » 07.07.2008, 14:31

hallo,

ich interessiere mich seit längerem für Krankenzusatzversicherungen und hab mich auch schon über die eine oder andere Versicherung und die verschiedenen Angebote informiert.
Mein Interesse galt ursprünglich einer Zahnzusatzversicherung die mir maximalen Schutz und Sicherheit und Komfort (was z.B.: Reinigung und allgemeine Prophylaxe angeht) gibt.
Im Zuge meiner Internet Recherche bin ich dann aber auf immer weitere, durchaus interessante, Erweiterungen für, z.b. Ambulante, Stationäre, Brillen, usw. Zusatzversicherungen gestoßen.
Alle diese sinnvollen und nicht zu letzt deswegen für mich auch relevanten Krankenzusatzversicherungen führen mich aber alle am Schluss auf eine Frage: (exemplarisch verwende ich hier nur das Beispiel der Ambulanten Zusatzversicherung - Analog gilt dies aber für alle anderen genauso)

=> Was ist die Motivation der Versicherung, mir eine ambulante Krankenzusatzversicherung für einen Beitrag von ~30€ im Monat (=360€ im Jahr) anzubieten (was, wie ich glaube, sowieso schon hoch angesetzt ist), wenn sie mir dann abieten, dass mir dadurch dann ein Leistungsspektrum zusteht, dass es mir beispielsweise ermöglicht ein gewisse Anzahl von Hypnosesitzungen und Akupunkturen im Jahr bis zu einem Kostenvolumen von 1000€ wahrzunehmen.
Weiterhin übernimmt eine solche Versicherung auch noch die Quartalsgebühr von 10€, zahlt sämtliche Mehrkosten bei Medikamenten und Verbandsmitteln, bezahlt den Spezialisten mit x-fachem Gebührensatz, etc. usw.

Fakt ist, dass es mir als Versicherungnehmer ohne weiteres möglich ist (selbst wenn man nur wenige Angebote in Anspruch nimmt), da einen
enormen Kostenberg für den Versicherer aufzubauen, bei dem er am Ende nicht mehr viel verdient, oder womöglich noch drauf zahlt.

Warum also werden solche Angebote gemacht?

Das Angebot sagt mir ja eigentlich, dass wenn ich für meinen Beitrag etwas in Anspruch nehme, die Versicherung immer weniger oder nichts mehr mit mir verdient!?

Das wird sie aber nicht wollen, denn sonst wäre sie ja, wenn das jeder machen würde, schon längst Pleite!?

Sind das Lockvogelangebote?
Blenden einen die Versicherungen mit tollen Angeboten und schmeißen einen aber dann raus, wenn man sie in Anspruch nimmt?!

Gibt es irgendwo kleingedrucktes, dass einem die Inanspruchnahme untersagt?

Warum macht mir der Versicherungsmakler am Telefon dann aber genau diese Dinge erst schmackhaft - zumal es ja genau das ist weswegen ich mich ja zusätzlich versichern möchte. Wenn mir die Versicherung nach einem Jahr kündigt, weil sie an mir nichts verdient haben, da ich das gemachte Angebot genutzt hab, kann ich es ja gleich von vorneherein bleiben lassen und die zusätzlichen Kosten weiterhin privat tragen!?


Ich hoffe, dass mir jemand etwas Licht ins Krankenzusatzversicherungs-Dunkel bringen kann :)

mfg
Norman Eikam

Frank
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Beitragvon Frank » 07.07.2008, 15:39

Hallo Norman,

ich kann dich beruhigen. Das große Kapital in diesem Lande schlummert bei den Banken und Versicherungen. Und bevor eine Versicherungsgesellschaft pleite geht, ist unsere gesamte Wirtschaft den Bach runter gegangen.

Zum einen ist es so, dass weniger Menschen die Zusatzversicherung nutzen als man annehmen mag. Selbst viele, die am Anfang rege die Zusatzversicherung nutzen, kündigen diese nicht unbedingt nach Ende der Behandlungen.

Eine Vielzahl von Gesellschaften können gar nicht die Zusatzversicherung im Leistungsfall kündigen, weil sie das außerordenliche Kündigungsrecht ausschließen. Darauf solltest du in den Bedingungen achten.

Die Gesellschaft schützt sich aber auch vor "schlechten" Risiken. Zum einen stellt sie vor Abschluss Gesundheitsfragen und zum anderen sind bestehende Behandlungen nicht mitversichert. Eine Behandlung beginnt übrigens schon mit der Diagnose und dem Anraten zu einer bestimmten Therapie.

Beispiel: Zahnarzt sagt zur Mama, dass ihr Kind eine Zahnfehlstellung hat und in absehbarer Zeit wohl eine Zahnspange benötigt. Dann ist es für den Abschluss einer Zahnversicherung schon zu spät.

Wenn ein Kunde Rechnungen einreicht, wird die Gesellschaft i.d.R. auch die Ärzte anschreiben und erfragen, ob der Patient schon vor Abschluss der Versicherung in Behandlung war. Wenn ja, dann ist die Gesellschaft leistungsfrei.

Gruß
Frank

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Beitragvon Experte_24 » 07.07.2008, 16:52

Uh. Da fragt einer nach dem Prinzip einer Versicherung (?), da kann die Wikipedia doch helfen.
Fakt ist, dass es mir als Versicherungnehmer ohne weiteres möglich ist (selbst wenn man nur wenige Angebote in Anspruch nimmt), da einen
enormen Kostenberg für den Versicherer aufzubauen, bei dem er am Ende nicht mehr viel verdient, oder womöglich noch drauf zahlt.


http://de.wikipedia.org/wiki/Versicheru ... llektiv%29

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Mit Versicherung wird das Grundprinzip der kollektiven Risikoübernahme (Versicherungsprinzip) bezeichnet: Viele zahlen einen Geldbetrag (= Versicherungsbeitrag) in den Geldtopf Versicherer ein, um beim Eintreten des Versicherungsfalles aus diesem Geldtopf einen Schadenausgleich zu erhalten. Da der Versicherungsfall nur bei wenigen Versicherten eintreten wird, reicht der Geldtopf bei bezahlbarem Beitrag aus. Voraussetzung ist, dass der Umfang der Schäden statistisch abschätzbar ist und demnach mit versicherungsmathematischen Methoden der von jedem Mitglied des Kollektivs benötigte Beitrag bestimmbar ist.


:-)

norminator
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Beitragvon norminator » 08.07.2008, 23:27

Die THEORIE dahinter kann ich durchaus nachvollziehen, aber wie stellt sich der Sachverhalt in der Praxis dar?

Wenn ich ein braver Versicherungsnehmer bin der immer einzahlt und selber so gut wie nichts in Anspruch nimmt bekomme ich sicherlich von dem entsprechenden Sachbearbeiter bei der Versicherung einen Smile oder Ähnliches in meinen Unterlagen vermerkt.

Ich habe z.B. noch nie eine Hypnose, Akkupunktur oder Massage in Anspruch genommen, aber u.a. genau mit diesen Dingen werben die Versicherungen ja.
Klar, wenn ich das alle paar Monate mal in Anspruch nehme wird sich keiner daran stoßen, aber vielleicht komme ich ja auf den Geschmack und möchte diese Angebote nun regelmässig nutzen.

Ich habe dieses Thema mal mit einem Bekannten (Arzt) besprochen und der meinte, dass wenn die Versicherungen den Eindruck gewinnen (und das passiert laut seiner Aussage recht schnell), dass sie Gefahr laufen drauf zahlen zu müssen, sie anfangen die Maßnahmen zu hinterfragen und nach der Notwendigkeit und der medizinischen Indikation zu bohren und das in einer Art und Weise die mit exponentiell anwachsender Bürokratie verbunden ist und sie somit ihr Ziel erreichen - nämlich, dass der Kunde diese Angebote nicht mehr wahr nimmt, da er sich nicht jedesmal von seinem Arzt ein riesen Attest oder einen Versicherungsfragenbogen erstellen bzw. ausfüllen lassen kann.

Damit komme ich zu der Frage:
Dienen solche Versicherungen der Absicherung meiner Gesundheit im Notfall oder notwendigen Fall oder aber soll sie auch die Steigerung meines Wohlbefindens absichern und finanzieren? Das ist es nämlich wonach sich manche der angepriesenen Leistungen anhören!?

Fakt ist: Die Sache mit den Attesten, Fragebögen und der immensen Bürokratie bis zur Aufgabe des Patienten diese Angebote zu nutzen ist tatsächlich und nicht nur einmal so vorgefallen!

Weiterhin hat dieser bekannte Arzt mich auch noch daraufhin sensibilisiert, dass eine Versicherung, wenn sie wie in diesem Fall mir zwar nicht oder nur sehr schwer kündigen kann, diese Daten durchaus in der Kategorie "Unrentabler Versicherungsnehmer" speichert und möglicherweise nicht nur intern weitergibt.
Die Folge wäre, dass ich, wenn ich irgendwann mal wieder irgendeine anders geartete Versicherung (entweder beim selben Unternehmen oder bei einem andern) abschließen möchte, tippen die meinen Namen in ihre Datenbank ein und es erscheint sofort ein rotes blinkendes Ausrufezeichen mit dem Vermerk "Blos nicht versichern, der zockt ab!" (Im Sinne von: "Der nutzt unser Angebot ja wirklich und zahlt nicht einfach nur ein")

Natürlich weiß ich nicht, wie es hinter den Kulissen einer Versicherung aussieht, aber zumindest rein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet erscheint mir eine solche Handlungsweise durchaus plausibel!

Zunächst werben sie mich mit Versprechungen und tollen Angeboten und wenn sie dann der Meinung sind, dass ich nicht rentabel für sie bin, können sie mich zwar so schnell nicht wieder los werden, aber sie können mir ihr angebot mit einem Unmaß an Bürokratie so schwer zugänglich machen, dass ich es einfach deswegen dann nicht mehr nutze. Weiterhin werden sie mich dann auch sonst nirgendwo mehr versichern und da ich davon ausgehe, dass die Versicherungen untereinander in irgendeiner Art und Weise vernetzt sind, werde ich auch sonst in die Röhre schauen!

Ist das ein Dilemma!

Womit ich wieder zur Ursprungsfrage zurückkehre: Worin liegt nun der Sinn dieser und ähnlicher Versicherungen?

Frank
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Beitragvon Frank » 09.07.2008, 10:52

Oje, das sind ja schon fast philosophische Fragen.

Es gibt in der Krankenversicherung keine Datenbank der Gesellschaften wo ungeliebt Kunden gespeichert werden. Was passieren kann ist, dass wenn der Versicherer eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung vermutet, er den Vorversicherer anschreibt und nachfragt. Diese Einwilligung unterschreibt der Kunde bei jedem Antrag.

Wenn der Kunde jetzt die Versicherung in Anspruch nimmt und der Versicherer wissen möchte, ob der Kunde schon vor Vertragsabschluss in Behandlung war, schreibt Sie den Arzt an. Der Arzt beantwortet das Schreiben und erhält nebenbei gesagt auch ein Honorar dafür. Das hat mit Schikane nichts zu tun.

Wenn du eine Zusatzversicherung nicht mit einem guten Gefühl abschließen kannst, weil du in den Versicheren erstmal was Schlechtes siehst, dann würde ich das nicht tun.

Ach ja, warum soviele Rechnungen von den Versicheren beanstandet werden hat noch einen weiteren Grund. Oftmals werden von den (Zahn-) Ärzten Leistungen doppelt abgerechnet oder andere Leistungen in Rechnung gestellt, was dem Patienten nicht auffällt, der Gesellschaft aber schon. Trifft natürlich nur für die Minderheit der Heilbehandler zu, ich habe aber schon etliche solcher Rechnungen in der Hand gehabt. Ich wollte dein Weltbild aber jetzt nicht total durcheinander bringen.

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Beitragvon DKV-Service-Center » 09.07.2008, 13:01

hi norm..,
wir unterscheiden in letzter Zeit im Bereich der Zusatzversicherungen zwischen sogenannte Zusatzleistungen (Heilpraktiker, Chefarzt, 2 Bett)
und der Sogenannten Service Leistungspaketen.
Diese kann ich jetzt nur für die DKV nennen aber andere Gesellschaften haben oder werden bald ebensolche Tarife haben. So z.B der Tarif Optident
welcher eine 2 mal jähliche Zahnpflege finanziert
und als Bonbon dann Implantate bezuschusst.
Oder der Tarif BestCare welcher im Ernstfall die Bürokratie abnimmt und als Organisator auftritt.
Nähere Infos auf meiner HP.
Der Missbrauch beim Heilpraktiker z.B wird auch dadurch ausgeschlossen das es eine jähliche Summenbegrenzung gibt.
Die Aussage das bei häufiger Inanspruchnahme eine zusätzliche Bürokratie aufgebaut wird kann in Einzelfällen möglicherweise auftreten, dient aber nur dazu die Diagnose und die Behandlung zu ergründen ist das durch gibt es kaum noch Rückfragen.
Gruß

Cantor
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Re: Wieviel Leistung kann ich wirklich erwarten?

Beitragvon Cantor » 06.11.2015, 11:53

Hallo,

gute Frage. Ich gehe bei JEDER Versicherung davon aus, dass sie daran interessiert ist Geld zu verdienen. Für die Kalkulation der Tarif gibt es Versicherungsmathematik und auch ein Spiel mit "Gewohnheiten". Außerdem, wenn die Versicherung mit den Beiträgen nicht mehr klar kommt, erhöht sie einfach die Tarife.

Beispiel ich selbst: ich schließe vor 5 Jahren eine Zusatzversicherung für Naturheilkunde ab. Damalas habe ich viel Osteopathie in Anspruch genommen und immer selbst bezahlt. Also rechnet man .... ich bekomme soundsoviel Leistung, soviel Beiträge usw. Macht wahrscheinlich jeder gerade bei Naturheilkundetarifen. Man denkt daran, die Leistung voll auszuschöpfen. Und dann .... ich habe sie seit 5 Jahren überhaupt nicht in Anspruch genommen. Da werde ich sicherlich nicht die einzige sein!!! Das weiß auch die Versicherung.

Nur war ich zum ersten Mal bei einem Heilpraktiker. Ich höre von anderen, Du kannst zwei, dreimal Rechnungen einreichen. Man sagt mir, flott wird man die Leistung hinterfragen und irgendwelche Probleme finden. Ich höre sogar, dass die Versicherung Leistungen verweigern soll z.B. hinsichtlich Medikamenten (manuelle Praktiken wären einfacher), weil die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht erwiesen wäre. Nun ja, dass werden sämtliche Leistungen der Heilpraktiker nicht sein!!!! Oder es wäre medizinisch nicht begründet etc.

Nun, das war das erste Mal, dass ich die Versicherzung in Anspruch genommen habe. Da ich im Sommer aber sterbenskrank war, schulmedizinisch alles austherapiert ist, werde ich möglicherweise diese Versicherung noch öfter in Anspruch nehmen wollen. Es wurde mir prophezeit, das geht ein paar Mal gut, dann kündigst Du entweder selber oder sie schmeißen Dich raus. Ich bin gespannt!!!! Natürlich würde ich sie kündigen, wenn es Schwierigkeiten gibt, die nicht in Doppelzahlungen oder sonstigen begründeten Sachen liegen, sondern eher weil man nur widerwillig leisten will.

Ich könnte mir sehr, sehr gut vorstellen, dass das mit zur Strategie der Versicherung gehört und in die Berechnung der Tarife einfließt.

Grüße

Cantor

Mari
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Re: Wieviel Leistung kann ich wirklich erwarten?

Beitragvon Mari » 06.11.2015, 14:58

Cantor hat geschrieben:Hallo,

Ich gehe bei JEDER Versicherung davon aus, dass sie daran interessiert ist Geld zu verdienen.


Ich gehe da nicht nur von aus, ich bin mir da sicher. Zu 100 Prozent sicher. Versicherungen sind am Ende auch nur Unternehmen, die rechnen, um gute Gewinne zu machen.


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